Prävention bei häuslicher Gewalt

Schutz und Sicherheit vor häuslicher Gewalt sind für die Runden Tische für ein gewaltfreies Zuhause im Kreis Kleve ein zentrales Thema.

Gewalt gegen Mädchen und Frauen gehört zu den häufigsten Menschenrechtsverletzungen in der Welt. Dabei haben Frauen das größte Risiko, durch einen Mann, den sie kennen, Opfer von Gewalt zu werden.
Die erste repräsentative Untersuchung in Deutschland zu dieser Problematik kommt zu dem Ergebnis: “Rund 25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Formen körperlicher oder sexueller Gewalt (oder beides) durch aktuelle oder frühere Beziehungspartnerinnen oder -partner erlebt“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2004: Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland).
Die Polizei im Land Nord-Rhein-Westfalen wurde 2009 annähernd 20 000 Mal wegen häuslicher Gewalt zu Hilfe gerufen. Aufgrund der Gefahrenlage vor Ort wurden allein in NRW 8300 Wohnungsverweise und Rückkehrverbote ausgesprochen. Hinzu kommt, dass jährlich mehr als 50 Frauen von ihren (Ex-) Partnern ermordet werden.
Im Kreis Kleve stieg die Zahl der Wohnungsverweisungen bei häuslicher Gewalt im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr von 63 auf 145 an.

Auf diesem Hintergrund ist es wichtig, so früh wie möglich gegen zu lenken, im besten Falle häusliche Gewalt zu verhindern. Ein umfassendes Wissen darüber, was häusliche Gewalt ist, welches erste Anzeichen sein können, um dann entsprechend handeln zu können, ist ein erster wichtiger Schritt. Werden diese frühen Signale erkannt, bedarf es außerdem in den Familien und Beziehungen, Kindergärten, Schulen, Beratungsstellen und den verschiedensten staatlichen Behörden den Willen und das Wissen, wie Menschen in solchen Situationen unterstützt werden können. Eine gute Vernetzung und Kommunikation untereinander ist die Voraussetzung für effektive und frühe Hilfe, die im besten Falle Menschen so unterstützt und stärkt, dass Gewalt in Familien und Beziehungen verhindert werden kann.

Der Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW hat eine Kampagne zur Prävention entwickelt: Warnsignale häuslicher Gewalt - erkennen und handeln.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter: www.warnsignale-gewalt.de

Grundlage dieser Kampagne ist das Buch von Rosalind B. Penford: „Und das soll Liebe sein? Geschichte einer bedrohlichen Beziehung“. Die Autorin berichtet in gezeichneten Bildern über die Verstrickung in eine scheinbare Liebesbeziehung, die sich nach und nach als Gewaltbeziehung herausstellt.

15 Motive aus diesem Buch wurden zu einem Karten-Set Warnsignale zusammengestellt. Mit diesem Material kann vielfältig gearbeitet werden, sowohl therapeutisch, aber vor allem in der Prävention mit den unterschiedlichsten Zielgruppen: Schulprojekte mit SchülerInnen, Lehrerkollegien oder Eltern, MitarbeiterInnen unterschiedlichster Behörden, Familienzentren, Firmen, Gesundheitswesen, u.a.
Wer versteht, was geschieht, ist sensibilisiert und kann sich angemessen verhalten. Das gilt für die von Gewalt betroffenen Menschen und auch für die Fachkräfte der unterschiedlichsten Disziplinen, die Menschen schützen, beraten, behandeln oder therapieren.

Der Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen qualifiziert und zertifiziert Fachreferentinnen, denn die Materialien sollten ausschließlich von geschulten Fachkräften eingesetzt werden.

Ansprechpartnerin für weitere Informationen zu den Warnsignalen, zur Kampagne oder Schulungsmöglichkeiten ist im Kreis Kleve die Frauenberatungsstelle IMPULS, die Koordinationsstelle der Runden Tische für ein gewaltfreies Zuhause. Die Mitarbeiterinnen von IMPULS können auch als Fachkräfte für entsprechende Schulungen angefragt werden.

Abschließend noch ein Medienhinweis:
Auf dem Fachtag der Runden Tische im Kreis Kleve in 2010 wurde u. a. folgender Spot als Einstieg in das Thema Häusliche Gewalt gezeigt.

„BFF stairs“ oder „Ich bin die Treppe heruntergefallen“ auf youtube.com