„Kinder als Opfer und Zeugen häuslicher Gewalt“

Häuslicher Gewalt findet statt zwischen Erwachsenen, die in naher Beziehung zueinander stehen oder gestanden haben. Im vermeintlichen Schutzraum des eigenen Zuhauses wird sie in der Regel von Männern gegen Frauen ausgeübt. Die Betroffenen erleiden körperliche, seelische, sexualisierte, soziale und/oder ökonomische Gewalt.

Mädchen und Jungen, die Gewalt zwischen den Erwachsenen in ihrer Familie miterleben, sind immer auf vielfältige Weise betroffen. Ein Lebensalltag in destruktiver Atmosphäre und das Miterleben von Demütigungen und Misshandlungen an vertrauten Personen, ist in seiner Wirkung mit selbst erlebter Gewalt gleichzusetzen. Zusätzlich erleiden Kinder in diesem Kontext acht mal häufiger gegen sie gerichtete Misshandlungen, Vernachlässigungen und/oder sexuelle Gewalt als in gewaltfreien Familien.

Häusliche Gewalt verletzt, belastet und ängstigt Kinder. Sie wirkt sich beeinträchtigend auf ihre Entwicklung aus und stellt oft eine traumatische Erfahrung dar. Darüber hinaus beeinträchtigt diese Gewalt die eigene Lebensgestaltung und weist Jugendliche in Laufbahnen von Opfern und Tätern.

Untersuchungen des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen ergaben, dass 21% befragter Jugendlicher mit häuslicher Gewalt konfrontiert waren. Auch in einer Studie, die das BMFSF 2004 heraus gegeben hat und in der von 10.000 befragten Frauen 25 % häusliche Gewalt erlebt hatten, berichteten Mütter mehrheitlich, dass die Kinder die Gewaltausbrüche miterleben. Wir haben somit keine Ausnahmesituation vorliegen, sondern müssen vielmehr davon ausgehen, dass in jeder Kindergartengruppe und jeder Schulklasse betroffene Kinder sind.

Das Gewaltschutzgesetz, Platzverweise, lokale Bündnisse und Frauenhäuser sind bereits „Meilensteine“ im Schutz vor häuslicher Gewalt. Diese Maßnahmen reichen jedoch noch nicht aus, damit sich Kinder persönlich geschützt fühlen.

Die betroffenen Mädchen und Jungen brauchen kompetente und für dieses Thema sensibilisierte Erwachsene im sozialen Umfeld und effektive Hilfsangebote in einem funktionierenden Netzwerk, so dass ein Handeln im Sinne die Betroffenen erleichtert wird.

 

Weitere Informationen finden Sie:

Internetseiten für Kinder  und Jugendliche

www.kidsinfo-gewalt.de

Broschüre: „Mehr Mut zum Reden“
vom BMFSF herausgegebene PDF-Datei
www.rheinbach.de/mehrmut.html

Broschüre: „Häusliche Gewalt und polizeiliches Handeln“

Prävalenzstudie vom BMFSF zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland
www.bmfsfj

„Handbuch Kinder und häusliche Gewalt“
Barbara Kavemann, Ulrike Kryssig (Herausgeber)
VS Verlag für Sozialwissenschaften

„Handbuch Erste - Schritte – Manual“
Baustein des Projektes „Soziale Frühwarnsysteme“
Kindertageseinrichtungen als Teile sozialer Frühwarnsysteme
Deutscher Kinderschutzbund Landesverband NRW (Herausgeber)
Dormagkweg 20
42109 Wuppertal
Telefon 0202 – 754465
Fax 0202 – 755354
E-Mail: info@dksb-nrw.de

Projekt PräGT
Ein Praxisleitfaden zur Prävention von
Häuslicher Gewalt in Kindertagesstätten
Schriftenreihe Theorie und Praxis 2004
AWO Bundesverband e. V. (Herausgeber)
Oppelner Str. 130
53119 Bonn
Telefon 0228 – 66850                  
Fax: 0228 – 6685209
verlag@awobu.awo.org


Video/DVD « Kennst du das auch »
Fünf Mädchen und Jungen erzählen ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt.
Zu bestellen bei:
Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt „BiG“ (Herausgeber)
Sarrazinstr. 11 – 15
12159 Berlin
Telefon 030 – 61709100
Fax 030 – 61709101
mail@big-interventionszentrale.de